Ich erinnere mich an unseren ersten Kontakt mit der Organisation Scooby. Das war im Oktober 1998 als wir auf einer entlegenen Strasse in der Nähe unseres Hauses in der Dämmerung eine streunende Hündin fanden. Sie sah sehr müde aus und wie immer hielt mein Mann an und wir versuchten, sie einzufangen. So trafen wir auf den ersten Galgo unseres Lebens.

 

Das arme Tier war so müde und so geschwächt, dass sie anhielt und sich hinlegte als sie uns aus dem Auto steigen sah und so auf uns wartete. Sie hat nicht einmal zu fliehen versucht oder eine Bewegung gemacht, sie war auch nicht agresiv als wir mit ihr sprachen und sie streichelten. Sie war einfach nur ausgelaugt, halb verhungert, hatte Durst und jede Menge Flöhe und Zecken, Verletzungen am ganzen Körper und sie war unglaublich dreckig. Ich weiss noch wie sie nach dem Bad und dem Entwurmen plötzlich weiss statt grau war wie wir ursprünglich angenommen hatten. Sicherlich fragt ihr euch, warum ich weiss, dass es Oktober war – einfach deswegen, weil es der Tag vor meinem Geburtstag war und ich mir dachte, wenn wir die Galga behalten wäre das ein tolles Geschenk für mich.

 

 

Es stimmt schon, dass wir zu der Zeit 20 Hunde und 3 Katzen im Haus hatten, fast schon zu viele, um sich um jeden so wie er es verdient zu kümmern. Wir haben also mit der ganzen Familie entschieden, der Galga ein neues Zuhause zu suchen so wie wir es schon früher mit Fundtieren gemacht hatten. Aber es mussten schon besondere Leute sein, wir halten immer Kontakt zu den Adoptivfamilien.

 

Das Schicksal hielt unsere erste Begegnung mit Scooby via Fermin für uns bereit weil ein Tierarzt des Tierschutzzentrums mit dem wir arbeiteten uns die berühmte Telefonnummer Fermins gab. Wir kontaktierten ihn und er sagte uns, wir sollten ihn in Madrid treffen, um dort den ersten unserer Galgos zu übernehmen. Wir trafen uns also bei einem seiner Besuche an der tierärztlichen Universität von Madrid und er hat die Hünding mitgenommen.

 

Fermin hat uns so der brutalen Welt der Galgos nähergebracht weil selbst als langjährige Hundehalter war das unser erster Kontakt mit dieser Rasse. Wir sind aus Madrid und obwohl wir seit 10 Jahren 45 km ausserhalb der Hauptstadt lebten hatten wir in unserer Nähe noch keine Galgos gesehen. All das hat sich geändert nach unserem ersten Besuch bei Scooby. Wir waren von der tollen Arbeit aller dort beeindruckt: Amelia, Ernesto und Fermin. Das Heim zu betreiben und sich so gut wie möglich um die Hunde und Katzen zu kümmern verlangt viel Einsatz von ihnen, vor allem mit den geringen materiellen und finanziellen Mitteln. Und als wenn sie noch nicht genug täten bat uns Fermin, der noch mehr Leben dieser schönen Tiere retten will um folgendes: da wir auf dem Land in einem Jagdgebiet leben sollten wir die Galgos aus den umliegenden Städten aufnehmen, um sie so vor dem Aussetzen und Aufhängen zu bewahren. Wir waren sofort dabei und besuchten die Jagdvereine der umliegenden Orte am Ende der Saison und hinterliessen Nachrichten die besagten: "Jäger, wenn Sie Ihre Hunde am Ende der Saison loswerden wollen töten Sie sie nicht, rufen Sie uns an und wir besorgen ihnen ein neues Zuhause."

 

Glücklicherweise für die Tiere wurde unser Aufruf gehört obwohl wir selbst beim Durchfahren dieser Städte keine Galgos sahen. Aber sie waren da und sie waren viele.

 

Diese Jäger begannen, uns anzurufen, um die Hunde abzuholen die ihrer Meinung nach die Mühe nicht lohnten. Wenn man bei ihnen ankam deutete nichts darauf hin, dass Hunde im Haus lebten, die Gärten waren perfekt, man sah keine Haufen, kein Spielzeug, keine Wassernäpfe. Kein Vergleich mit unserem Haus und unseren Hunden. Ich dachte immer, man könne nicht alles perfekt in Ordnung haben wenn man Tiere hält, das ist wie mit kleinen Kindern, irgendwas liegt immer herum. Ich Arme, jetzt bestätigte sich was Fermin uns über die Galgueros gesagt hatte.

 

Für diese Individuen gibt es Haustiere mit denen man lebt und Galgos. Das Leben der Galgos ist nicht zweiter oder dritter Klasse im Vergleich zu den Haustierhunden, es ist überhaupt kein Leben. Wir haben mit meinem Mann Galgos in verschiedenen Städten abgeholt wo die Galgos unter den grossen und beeindruckenden Häusern leben, in Garagen ohne Fenster, ohne Licht, mit einer Gefangenennahrung wie man sie aus Filmen kennt: Hartes Brot und Wasser in verrosteten Behältern voller Moos, weil sie lange nicht gereinigt wurden.

 

Eine Zeitlang fuhren wir durch diese Städte aber irgendwann begannen die Galgueros, uns die Hunde zu bringen. Arme Hunde voller Zecken und Flöhe und sehr sehr dreckig. Einmal hat mir sogar einer dieser Typen gesagt: "Wie soll ich die Galgos transportieren? Mein Auto wird ganz dreckig!" Und ich hab ihm gesagt, dass wir unser Familienauto nehmen aber dass die Flöhe und Zecken schliesslich ihm gehören, nicht uns. Bei uns angekommen bekommen die Hunde erstmal ein Parasitenbad und eine Wurmkur. Es erscheint unmöglich, dass die armen Tiere eine solche Anzahl Parasiten allein auf natürlichem Weg ausscheiden...

 

Innerhalb eines Jahres hatten wir 45 Galgos eingesammelt und an Scooby übergeben. Und unsere Hundefamilie wurde grösser. Die Galgos blieben bei uns bis Fermin nach Madrid kam oder wir sie nach Medina del Campo brachten. Das kam auf den Platz bei Scooby an. Einige Galgos blieben 10 Tage bei uns, andere 2, 3, 4 oder sogar 5 Monate. Indem wir mit diesen phantastischen Tieren leben realisieren wir das Glück, diese Galga in der Nacht des 29. Oktobers getroffen zu haben.

 

Wir haben viele Fotos dieser schönen Tiere zuhause. Es hat nie Streit zwischen unseren Hunden und den Gasttieren gegeben. Aber eine grosse Nachfrage nach den Sofas. Einmal haben wir 14 Galgos zu Scooby gebracht mit 6 4 Monate alten Welpen, die wir am 31. Dezember in einer Art Loch gefunden hatten. Das Loch war ca. 1 Meter tief (Fermin hat es sich bei einem seiner Besuche angesehen), es war voller Dreck und Fäkalien, mitten im Nirgendwo. Ich will euch die Geschichte dieses Wurfs erzählen.

 

Weihnachten 2002 hatte es in Madrid viel Schnee gegeben un dam 31. Dezember war das Land unter einem weissen Teppich verschwunden. Die einzigen Spuren waren die unserer Schritte zu dem Ort, an dem die Welpen waren. Am 30. Dezember hatte unsere Tochter auf der Rückfahrt von der Arbeit, ca. 7 km von uns entfernt, einen Welpen durch den Schnee stapfen sehen. Sobald wie möglich hielt sie an und folgte dem kleinen Tier (später erhielt er den Namen "die Vorhut") bis zu jenem Loch mit seinen Geschwistern. Meine Tochter konnte den Welpen einfangen und spähte dann zu den weinenden Welpen hinab, die wir retten konnten.

 

Ich wollte euch unsere erste Begegnung mit Scooby erzählen, bis dahin in Spanien ziemlich unbekannt. Wir wollen uns bei Amelia, Fermin und Ernesto für ihre Hilfe bei jenen Gelegenheiten und sicherlich noch vielen zukünftigen bedanken. Und Danke an Maria Jose, meine gute Freundin, die etwas später hinzukam und die Mutter aller Vierbeiner des Heims ist.

 

Danke an euch alle, die ihr mit Geduld diese Geschichte unseres Lebens gelesen habt und an Fermin, der uns gezeigt hat, was unsere Augen vorher nicht sahen und uns in die wunderschöne aber auch grausame Welt der Galgos eingeführt hat.

 

Übrigens, seit 8 Monaten haben wir unsere eigene Galga. Sie heisst Luna und ist der erste Therapiegalgo in einem Pflegeheim für Alzheimerpatienten. Auf der Scooby Webseite ist eine Geschichte von ihr.

 

Nochmals danke an alle, die Scooby unterstützen, an die freiwilligen Helfer anderer Länder die unsere Hunde pflegen und unterhalten, den Familien, die hier ihre Ferien verbringen oder den Tierärzten. Euch allen unsere grosse Verbundenheit im Namen der spanischen Hunde, auch Danke an Maria, Cobie, Hamed.

 

Sicherlich haben wir einige Personen vergessen aber seid gedankt! Wir sehen Fermin und Maria Jose oder wir telefonieren, vor allem zu dieser Jahreszeit wo die Galgos "keinen Heller wert sind" bringen wir weiterhin Galgos zu Scooby. Wenn wir nach Medina del Campo fahren können essen wir alle zusammen und verbringen 2 bis 3 Stunden damit, unsere Meinungen über die unvollkommene und für die Tiere grausame Welt zu diskutieren, in der wir Leben.

 

Wir umarmen euch alle.

 

Virginia.