Ein Jahr nachdem wir eine Galgo-Hündin aus dem Tierheim Scooby adoptiert hatten, beschlossen wir, einem weiteren Galgo ein Zuhause zu geben. Damals wollten wir gerne ein Mädchen. Nun überlegten wir lange hin und her, ob wir dieses Mal einem Jungen eine Chance geben sollten. Einerseits sagt man ja, dass Rüde und Hündin im Zusammeleben unkomplizierter sind, andererseits teilten wir die üblichen Vorurteile, die anscheinend viele Menschen von der Adoption eines Rüden abhalten: Sie sind unheimlich groß, markieren ständig und überall, sind eher rau im Umgang, neigen eher als ein Mädchen zur Aggression und bekommen daher oft Probleme mit andere Rüden und überhaupt sind die Mädchen doch viel unkomplizierter und anschmiegsamer, oder?

Unsere Erfahrungen nach einem Monat: So kann man sich täuschen!

Aufgrund der schlechteren Vermittlungschancen der Rüden entschieden wir uns,  nach einem Jungen als Kumpel für unser Mädchen Ausschau zu halten. Da sie sehr sicher ist, durfte es auch ruhig ein etwas unsicheres Kerlchen sein, da er sich dann an ihr orientieren könnte. So gingen wir auf die Suche im Internet und fanden Billy, ein etwa 4-jähriger schüchterner Junge, der bei Scooby auf seine Familie wartete. Er sah unheimlich süß aus und hatte sich ganz klein in sein Körbchen gekuschelt. Wir nahmen Kontakt zu GPI auf und man war sofort bereit, ihn für uns nach Deutschland zu holen.

Nach einem kurzen Aufenthalt  in einer Pflegestation von GPI kam der kleine Mann dann zu uns. Unsere Hündin verstand sich auf Anhieb sehr gut mit unserem neuen Familienmitglied. Wie wir uns schon gedacht hatten, orientierte er sich gleich an seiner „großen Schwester“, und die beiden teilten sich bereits am ersten Abend das Bettchen. Er ist zwar ein bisschen größer und ist mittlerweile auch ein bisschen breiter als unser Mädchen, von „unheimlich groß“ kann jedoch keine Rede sein.

Die folgenden Tage waren sehr aufregend für Billy. Wie beschrieben war er zunächst sehr schüchtern. So machte er immer einen großen Bogen wenn er bei unseren Spaziergängen anderen Leuten begegnete. Andere Hunde wurden vorsichtig von ihm beschnuppert.  Zu uns fasste er sehr schnell Vertrauen, und er genoss von Anfang an seine Streicheleinheiten. Anders als unsere Galga, die sich zwar gerne den Bauch kraulen lässt, ansonsten aber wenig Kontakt sucht, kam Billy von Anfang an zu uns und legt seinen Kopf in den Schoß, damit wir ihn beschmusen können. Er ist sehr anhänglich und passt immer auf, dass wir in der Wohnung nicht verloren gehen. Seine Unsicherheit draußen wird von Tag zu Tag besser und er läuft wunderbar an der Leine. Im Umgang ist er ganz unkompliziert: Pfoten abputzen oder Ohren säubern ist gar kein Problem, einzig das Baden gefiel ihm gar nicht.

Billy hat keine Probleme mit anderen Hunden, auch nicht mit Rüden, und wahrscheinlich wird auch noch ein bisschen Zeit vergehen, bis er überhaupt anfängt zu markieren. Wir werden ihm dann zeigen, wo er darf und wo nicht – da er wie alle Rüden von Scooby kastriert zu uns kam, machen wir uns darüber keine Sorgen mehr. Mittlerweile freut er sich auch, wenn er von Freunden gestreichelt wird, und beginnt langsam seine neue Wohngegend genauer unter die Lupe bzw. die Nase zu nehmen. Er geht sehr lieb mit unserer Galga um und legt sich immer ganz vorsichtig und klein zusammen gefaltet zu ihr auf die Couch. Nur die morgendliche Begrüßung ist sehr stürmisch – dabei drängelt er sich auch schon mal ein bisschen vor. Unsere anfänglichen Bedenken hat Billy aber gekonnt zerstreut und wir können nun sagen:

Es ist ein Junge….und das ist auch gut so!

Julia Hüwe

Deutschland 

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