Hallo an alle bei Scooby, Volunteers auf der ganzen Welt und an euch, liebe Leser.

 

Der Bericht über die Probleme mit den Vermittlungen von Rüden bei Scooby und anderen Hilfsorganisationen weltweit hat mich ziemlich betrübt. So sehr, dass ich mich entschloss, die Geschichte von Arlo aufzuschreiben, um andere wissen zu lassen, dass Rüden genauso liebenswert sind und sich genauso wünschen und hoffen, in einem neuen, liebevollen Zuhause zu leben.

 

Arlo war einer der sehr ängstlichen Rüden bei Scooby und kam um die Weihnachtszeit 2006 mit einem Transport zu GINN in Holland. Mein Freund, mein Sohn und ich hatten uns für eine Adoption angemeldet und warteten nur auf ein Zeichen von GINN, dass ein Hund für uns angekommen war und wir ihn uns anschauen konnten.

Im Januar dieses Jahres (2007), kam der Anruf. Wir wurden gefragt, ob es eine Rolle spiele ob der Hund ein Rüde oder eine Hündin sei, was uns natürlich egal war.

 

Am 20. Januar, an einem furchtbar stürmischen Tag, fuhren wir 4 Stunden zur Auffangstation von GINN nach Nederweert. Wir betraten die großen Wohnquartiere der Hunde und wurden mit wedelnden Schwänzen, Hände beschnüffelnden nassen Nasen und schleckenden Zungen begrüßt. Alle, bis auf einen…der schöne beige Rüde, der zitternd in der Ecke stand und von Zeit zu Zeit bellte. Es war Liebe auf den ersten Blick!
Ich versuchte mich langsam zu nähern, darauf bedacht, ihn nicht direkt anzublicken, da dies einen Hund verunsichert, aber er drehte sich um, schoss durch den Plastikvorhang in den Außenbereich und verschwand. Alle anderen Hunde im Wohnbereich genossen reichlich Aufmerksamkeit von meinem Sohn und meinem Freund, ich jedoch war fasziniert von diesem beigen Jungen.
Ich setzte mich mit einer der GINN Volunteers, Kim, auf den Boden, wo sie mir erzählte, was sie über ihn wusste. Alle paar Minuten steckte er seine Nase durch den Vorhang, um gleich darauf wieder zu verschwinden. Er versuchte offenbar sein Bestes, Kontakt zu uns aufzunehmen, wusste aber nicht, wie.

 

Nach ungefähr 10-15 Minuten nahm er all seinen Mut zusammen, und da stand er, mit seinem starken hellbraunen Körper, auf unserer Seite des Vorhangs. Er schnupperte an meiner Hand, ließ mich langsam und behutsam seinen Nacken und seine Seite streicheln.
Er hatte über sich selbst gesiegt
Sein Mut, seine Entschlossenheit und seine Sanftheit hatten mein Herz erobert…er hatte uns zu seinen Besitzern auserwählt Die vierstündige Rückfahrt war anstrengend für ihn, aber er war erstaunlich. Er kuschelte sich an mich, legte seinen Kopf auf meinen Schoß und sah mit seinen dunkelbraunen Augen zu mir herauf, als würde er “Danke“ sagen.

 

Die ersten Tage kundschaftete er sein neues Zuhause aus, lernte uns und die anderen Hunde kennen und machte erste Bekanntschaft mit einer der jungen Katzen. Es war offensichtlich, dass er mehr Angst vor den Katzen hatte, als diese vor ihm, also ließen wir es langsam angehen. Arlo hatte buchstäblich Angst, von einem Raum in den anderen zu gehen. Ihn über die Türschwelle zu bewegen, dauerte ca. 10 Minuten, ganz zu Schweigen von der Rückkehr ins Haus. Dennoch war es so lohnenswert, weil er mit uns im Team arbeitete. Alles was er brauchte, war jemand, der ihm Selbstvertrauen gab, diesen kleinen Auftrieb, den er zur Überwindung seiner Ängste brauchte. Er folgte uns überall hin und weinte, wenn wir für ein paar Sekunden außer Sichtweite waren. Ich kann das nur positiv interpretieren, zeigte er doch nach so kurzer Zeit schon Bindung. Ein Hund, der versucht, sich an den Besitzer zu binden, schenkt diesem Aufmerksamkeit, und die Aufmerksamkeit des Hundes braucht der Besitzer wiederum, will er dem Hund helfen, sich zu verwirklichen.

 

Wir arbeiteten viele Wochen lang intensiv mit Arlo und konnten ihn Tag für Tag wachsen sehen. Noch nie habe ich einen solch vertrauensvollen Hund gesehen, insbesondere wenn man bedenkt, was er durchgemacht haben muss, bevor er bei Scooby landete. Es verwundert mich immer wieder, dass diese wundervollen Hunde immer noch Vertrauen zu uns Menschen haben. Nach fast 7 Wochen harter Arbeit von beiden, uns und Arlo, nahmen wir ihn und einen unserer anderen Hunde mit zu einem sehr ruhigen, abgelegenen Strand. Da wir wussten, wie sehr er sich auf uns verließ und nah bei uns blieb, wo auch immer wir waren, entschlossen wir, dass es an der Zeit war, ihn für all die harte Arbeit während der vergangenen Wochen zu belohnen. Er sollte rennen und die Freiheit und Sicherheit spüren, die er sich wahrlich verdient hatte.

 

Wir vertrauten Arlo, und er vertraute uns, also gaben wir ihn mit einem Leinenklick zum Fliegen frei, doch auch abgeleint lief er weiter neben mir her. Der andere Hund rannte und sprang schon durchs Wasser, aber Arlo blieb nah an meinem Bein und sah zu mir hinauf. Ich beugte mich zu ihm herunter, liebkoste ihn, küsste seine Nase und flüsterte ihm zärtlich ins Ohr, dass dies SEIN Augenblick war, SEIN Lohn , SEIN neues Leben…Ich könnte schwören, ein Lächeln auf seinem Gesicht gesehen zu haben, und genau in diesem Moment kam mein anderer Hund zu uns, wie um ihn abzuholen. Er forderte ihn auf, mitzukommen und zu spielen, gab ihm zu verstehen, dass Hunde das so machen und es in Ordnung ist. Die nächsten Sekunden werde ich nie vergessen und noch jetzt, während ich dies schreibe, habe ich Tränen in den Augen, wenn ich mich an DIESES Bild erinnere, das geblieben ist von diesem winzigen Augenblick und für immer bei mir bleiben wird, solange ich lebe.

 

Arlo ging langsam von mir weg, Schulter an Schulter mit meinem anderen Hund, der ihn sanft von uns weg lotste. Arlo sah ihn an, und beide wussten…es war Zeit. Ihr Tempo nahm zu und immer noch Schulter an Schulter, bewegten sie sich schneller und schneller……….Arlo rannte!! Wie es schien, binnen weniger Sekunden, erreichte er Höchstgeschwindigkeit und flog buchstäblich über den Sand aufs Wasser zu.
Als ich diese großen Freudensprünge sah, mit denen er zusammen mit seinem Hunde-Kumpel durchs Wasser galoppierte, liefen mir Tränen die Wangen herunter. Ich freute mich so, dass unser schöner Junge es geschafft hatte! Wir hatten alle zusammen als Familie gearbeitet, und jetzt waren wir fertig.

 

Ich kann gar nicht genug betonen, wie wunderbar diese Hunde sind, und dass es wirklich keine Rolle spielt, welches Geschlecht sie haben, wenn sie geboren werden. Sie können nichts dafür, was und wie sie sind. Rüde, Hündin, ängstlich, sicher, Mischling, Galgo oder Greyhound, in meinen Augen sind sie alle gleich.

 

Unser nächster Scooby-Galgo müsste nächsten Monat eintreffen, ein Rüde, der noch ängstlicher sein soll als Arlo, aber genauso dringend ein liebevolles Zuhause braucht. Eine Sache, die ich wirklich glaube ist, dass der Hund seinen Besitzer wählt und unseren Weg aus sehr guten Gründen kreuzt. Wir Menschen denken, wir suchen den Hund aus, aber meiner Erfahrung nach glaube ich, dass wir uns in diesem Teil irren.

 

An alle bei Scooby, danke für eure Fürsorge und bitte gebt Riquelme einen dicken Kuss und eine Umarmung von uns und sagt ihm, dass es ihm hier gut gehen wird.

Danke!

 

Alles Gute!

 

James, Bas, Hilary, Jari und natürlich unser wunderbarer Freund Arlo

 

 

 

.